Enttäuschung (Kapitel 4)

George, Svenja und Mike unterhielten sich während der Fahrt. George erzählte von den Geschwistern und Mike und Svenja hörten gespannt zu. George ließ aber mit Bedacht die Stellen aus, wo man erkannt hätte, dass sie ein Mädchen war. Sie wollte es solange wie möglich verheimlichen.
Mikes Augen glänzten, als er sagte: „Du bist wirklich mutig, George.“
„Ja“, stimmte Svenja ihm zu.
George lächelte zufrieden. „Aber ohne meine Freunde hätte ich es nie geschafft.“
„Stimmt. Jeder braucht Freunde, auf die man bauen kann. Freunde, denen man sein Vertrauen schenken kann“, murmelte Mike.
George erkannte wieder, dass er an etwas dachte, was er bisher verschwiegen hatte. Und sie merkte, wie sie immer neugieriger wurde. Aber sie war genauso neugierig auf den Zirkus.
„Was gibt es hier eigentlich alles?“, fragte sie deshalb.
„Meinst du jetzt, von Beruf?“, erkundigte sich Svenja.
„Genau“, George nickte.
„Da gibt es vieles“, meinte Mike und grinste. „Zum Beispiel der Jongleur oder die Dresseure.“
„Aber auch die Dompteure und-“, fügte Svenja hinzu, wurde aber von George unterbrochen.
„Was ist denn der Unterschied zwischen Dresseur und Dompteur?“, fragte das Mädchen verwirrt. Für sie klang das nicht wirklich unterschiedlich.
Mike lachte.
„Ey!“, schimpfte George. „Ich war lange nicht mehr bei einem Zirkus…“
„Ein Dresseur ist jemand, der mit ‚harmlosen‘ Tieren umgehen kann. Er ist sozusagen ein Tierlehrer“, erklärte Svenja lächelnd. „Ein Dompteur ist der Gegensatz dazu, nämlich der sogenannte Raubtierbändiger.“
„Oh“, meinte George verblüfft. „Der Unterschied ist echt so gewaltig?“
„Jep“, meinte Mike und grinste. „Bevor du fragst, Hunde zählen bei uns nicht zu den Tieren des Dompteurs, die Dresseure haben auch die Hunde in ihrer Show.“
George schmunzelte. „Gut. Und was noch?“
„Ja, da gibt es noch die Clowns und den Feuerspucker“, sagte Svenja. „Und die Akrobaten.“
„Aber auch der Bauchredner und den Direktor. Außerdem die anderen Artisten, die für den Auf- und Abbau zuständig sind“, erzählte Mike. „Ach ja, und das Orchester.“
„Und die Wichtigste haben wir vergessen“, kicherte Svenja.
„Und wer ist die Wichtigste?“, fragte George begierig.
„Die Zirkuskönigin“, enthüllte Mike.
„Zirkuskönigin?“, George sah ihn wieder verwirrt an. „Regiert die den Zirkus?“
Und Svenja sowie Mike lachten los.
Verständnislos sah das arme Mädchen ihre beiden Kameraden an. „Was ist denn? Hab ich was Falsches gesagt?“, fragte sie verunsichert.
„Oh ja!“, Mike lachte trotzdem weiter und so musste Svenja aushelfen.
„Die Zirkuskönigin ist meistens die Hauptattraktion des Zirkus‘“, erklärte sie. „Aber sie regiert nicht den Zirkus, das macht ja der Direktor, aber auch der regiert nicht sondern führt den Zirkus an.“
„Und was macht die jetzt genau?“, forderte George.
„Sie reitet zum Beispiel auf einem Elefanten oder balanciert auf dem Hochseil. Sie kann auch bei den Dresseuren mitmachen, meistens macht sie aber ihr eigenes Programm“, fuhr Svenja fort.
„Ach so…und darum ist sie die Hauptattraktion?“, fragte George ein wenig skeptisch.
„Na ja, ja. Sie ist eben die Beste…“, murmelte Svenja. Sie musste George ja nicht sagen, dass sie selber eine Zirkuskönigin werden wollte. Sie trainierte schon seit drei Jahren in allen Ferien hier im Drygansil.
George sah finster drein.
„Wetten, ich kann das auch?“, meinte sie mit einem herausforderndem Blick.
„Du willst besser als die Zirkuskönigin sein?“, fragte Svenja verblüfft. „Aber…“
„Ist doch cool, dann wäre er der Zirkuskönig!“, meinte Mike begeistert.
George grinste. „Genau, der Zirkuskönig“, sie ließ sich das Wort förmlich auf der Zunge zergehen.
„Aber, du kannst doch nicht…du kannst doch nicht die Zirkuskönigin herausfordern!“, erwiderte Svenja mit einem mulmigen Gefühl. Warum war er so? Warum musste George es unbedingt darauf ankommen lassen? Das würde nicht gut enden…
„Kann ich sehr wohl“, entgegnete George.
„Wenn du meinst…“, nuschelte Svenja zögernd.
„Boah, das wird genial!“, meinte Mike aufgeregt. „Bis jetzt hat es niemanden gegeben, der es mit Svipa aufnehmen konnte!“
Jetzt sah George überrascht drein. „Noch niemanden?“
„Ja, noch niemanden!“, widerholte Mike.
„Hat sich schon mal jemand getraut, gegen sie anzutreten, oder noch nicht?“, fragte George nervös.
„Nö, gegen sie anzutreten kam bis jetzt niemandem in den Sinn“, grinste Mike.
„Ich werde ja sehen“, sagte George. Sie strich Sammy lobend über den Hals. Und Tim und Lucky liefen zufrieden um die Wagen herum und schnüffelten neugierig. Als Tim sich den Pferden der Zwillinge näherte, drehte sich der eine um.
„Pfeif deinen Hund zurück, George!“, schimpfte er. „Er macht mein Pferd ganz verrückt!“
Entgeistert sah George ihn an. „Das würde Tim niemals machen!“, erwiderte sie. „Er ist oft auf dem Reiterhof, er ist sehr vorsichtig bei Pferden!“
„Pfeif ihn zurück!“, forderte er trotzdem.
„Warum sollte ich?“, entgegnete George trotzig wie immer.
„Sonst sage ich es Luy!“
„Mach doch, er wird mir glauben!“
„Nur weil du mit ihm verwandt bist, glaubst du wohl, du kannst dir alles erlauben?!“
„Lass mich doch!“
„Na warte!“, meinte er und lenkte sein Pferd in die andere Richtung. Er trabte zu George und Sammy. Tim und Lucky folgten ihm neugierig.
„Und, was willst du?“, George sah ihn mit frechen Augen an.
„Pfeif deinen Hund zurück GEORGE!“, brüllte er laut.
„Was soll denn das, Joy?“, fragte Svenja. „Du siehst doch, dass er nichts macht!“
„Seh ich aber anders!“, erwiderte er mit einem hinterhältigen Glanz in seinen Augen. „LUY! George’s Hund macht mein Pferd ganz verrückt!“
Luy sah aus seinem Wagen. „Was?“
Und in diesem Moment stieg Joy’s Pferd und er purzelte herunter.
„Aua!“, brummte Joy und sah zu Luy. „Ihr dämlicher Hund hat mein Pferd erschreckt!“
„George?“, frage Luy. „Stimmt das?“
„Nein, Luy! Tim und Lucky haben gar nichts gemacht“, rechtfertigte sich George noch ganz erschrocken. „Sie machen kein Pferd nervös. Sie sind immer ganz leise und vorsichtig und kommen den Pferden nicht zu nahe! Sie sind öfters bei einem Reit-“
„Das reicht, Georgina. Ich habe doch gesehen, das Joy’s Pferd vor den Hunden gescheut hat!“, unterbrach Luy. „Du solltest wohl härtere Maßnahmen anwenden oder ich tue es.“
„Aber ich-“
„Nein, bringe deine Hunde erst mal in deinen Wagen“, verlangte er.
George funkelte ihn wütend an, ihre Augen sprühten Funken. „Gut, dann tue ich das eben“, meinte sie trotzig. „Das wird dir aber nicht viel helfen, Joy wird trotzdem lügen!“
Damit drehte sie Sammy und blieb stehen. „Tim, Lucky, kommt.“
Sie stieg von Sammys Rücken und lief zur Tür des Wagens. Sie band ihren Freund wieder an den Strick, lobte ihn nochmal und kletterte in den Wagen, Tim und Lucky folgten ihr hechelnd.
„Was fällt dem denn ein! Ihr habt doch gar nichts gemacht, oder?“, fragte George ihre beiden Freunde und ließ sich auf ihre Bett fallen. „Ihr habt dem Pferd keine Angst eingejagt, oder?“
Beide bellten empört.
„Ich weiß“, meinte sie. „Ich kenne euch ja, aber…warum denkt dann Luy das und warum ist das Pferd dann gestiegen?“
„Das kann ich dir sagen“, meinte Mike und kletterte in den Wagen, gefolgt von Svenja. „Joy und Joel sind beide ‚Nachwuchsdresseure‘. Sie können also mit ihren Pferden Tricks und das Steigen ist einer.“
„Oh“, meinte George. „Deshalb also…“
„Aber, wir haben noch eine Frage“, meinte Svenja.
George sah beide aufmerksam an. Sie hatte schon eine Idee, was die beiden sie fragen wollten. Schließlich hatte Luy es gesagt. Und damit hatte er alles zunichte gemacht.
„Fragt ruhig“, seufzte sie.
„Du heißt Georgina?“, fragte Mike. Svenja hielt die Luft an.
George sah zu Boden und schwieg.
„Du bist ein Mädchen, stimmt’s?“
George rang mit sich. Schließlich gab sie zu: „Ja.“
„Warum hast du uns angelogen?“, fragte Svenja enttäuscht.
„Ich, ich wollte doch nur…“, stammelte George hilflos.
„Du belügst deine Zimmerkammeraden und willst dich jetzt auch noch rausreden?“, wütete Mike. „Ich versteh dich nicht!“
„Genau deshalb“, meinte George und jetzt wirkte sie wieder fest. Ihre Miene verfinsterte sich schlagartig. „Genau deshalb“, widerholte sie. „Ihr werdet es nie verstehen!“
Sie stand auf.
„Ich bin anders. Aber ihr versteht das nicht.“
„Georgina, warte doch mal“, meinte Svenja und starrte sie an.
„Nenn mich nicht Georgina!“, fauchte George. „Das bin ich nicht!“
„Aber du heißt doch-“, begann Mike.
„Ich weiß!“, knurrte George und sie fühlte sich, als ob sich scharfe Krallen in ihr Herz bohrten. Sie hatte geglaubt, die beiden würden sie verstehen, so wie Julius, Richard und Anne. Aber so wie es jetzt aussah, hatte sie sich getäuscht.
George drängte sich durch die beiden hindurch zur Tür. Sie band Sammy los.
Mike wollte sie festhalten. Tim knurrte auf.
„Fass mich nicht an!“, brauste George auf. „Lass mich in Ruhe! Oder ich hetze Tim und Lucky auf euch!“
Mike wich zurück. George sprang aus dem Wagen und kletterte auf Sammys Rücken. Lucky und Tim folgten ihr. Dann galoppierte George los, weg von den Zirkuswagen. Weg von den Zwillingen. Weg von Luy. Weg von Mike und Svenja.

© by George28

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Kommentare: 3
  • #1

    Hannes (Freitag, 11 Oktober 2013 19:29)

    Wow, wird schon spannend.
    Du hast einen Rechtschreibfehler hier : As würde nicht gut enden…
    Ich schätze mal, dass erste Wort sollte Das heißen.
    Und noch ne Frage: Woher wusste Joy, dass George ein Mädchen ist? (Sie sagt ja IHR Hund)

  • #2

    George28 (Freitag, 11 Oktober 2013 20:24)

    Ganz einfach, die Zwillinge waren dabei, als George dazu kam und Fanny hatte ja gesagt, dass George ein Mädchen ist und Luy war ja auch verwirrt. Die Zwillinge haben ja auch zugesehen, wie George mit Lucky die Tricks vorgeführt hatte. :)
    Und danke, ändere ich sofort.

  • #3

    Hannes (Samstag, 12 Oktober 2013 08:24)

    Ah, okay

Ich bin KEINER der Fünf Freunde Schauspieler, nur ein Fan!



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