Geheimnisse (Kapitel 13)

Nach dieser Lektion fühlte sich George viel besser. Sie war glücklich und ihre Sorgen waren für einen Moment vergessen. Zufrieden sah sie Vagna und Glasir an, dann verließen sie zu dritt den Käfig.

„Das hast du sehr gut gemacht“, lobte Vagna.

„Danke, aber ich habe es nur meinen Lehrern zu verdanken“, meinte George bescheiden. Vagna und Glasir lächelten zufrieden.

„Wir sollten erstmal Mittag essen, heute Nachmittag beginnen wir mit deinem Training für deine Showeinlage mit  Mephisto“, sagte Glasir. George nickte aufgeregt. Endlich würde sie nur mit Mephisto üben! Dann folgte sie den beiden Dompteuren zu dem Lagerfeuer, an dem Melodie und Geige, beide gehörten zum Zirkusorchester, einen großen Topf Suppe kochten.

Langsam versammelten sich alle hier, Svenja und Mike setzten sich sofort zu George.

„Ich hab Svenja schon von den verschwundenen Hunden erzählt“, berichtete Mike sofort. „Und von unserem Verdacht.“

„Und was hältst du davon?“, fragte George Svenja.

„Na ja…ich weiß ja nicht. Ich meine, versteht das nicht falsch, aber Nils und Mysla haben da schon Recht. Wir dürfen nicht zu vorschnell urteilen, ohne dass wir Beweise haben“, meinte Svenja vorsichtig.

„War ja klar“, seufzte George. „Aber wie sollen wir Beweise finden? Wir waren nicht dabei, niemand war dabei…“

„Was ist eigentlich mit Joy und Joel. Die beiden haben doch mit den Hunden zu tun, meint ihr, dass sie vielleicht was wissen?“, warf Mike ein.

George sah ihn sofort wütend an. „Also ich frage die beiden auf keinen Fall!“, meinte sie.

Verblüfft sahen Mike und Svenja George an. Die beiden wussten ja, dass die Zwillinge George nicht mochten, aber das George deswegen gleich…so überreagierte? Sie wechselten verwundert Blicke, dann fasste Mike sich wieder.

„Schon gut“, sagte er. „Ist schon in Ordnung…wir müssen sie ja nicht fragen…“

„Ja“, stimmte Svenja ihm nickend zu. „Ist kein Problem.“

George seufzte. „Danke“, murmelte sie schließlich. „Ihr könnt ja auch alleine fragengehen, ich will nur nicht mit.“ Sie durfte es den beiden nicht verübeln. Es war ja ein guter Gedanke, immerhin lernten Joy und Joel hier von den Dresseuren. Sie konnten wirklich etwas wissen… Aber trotzdem war da ihre Drohung, die George nicht vergessen konnte, so sehr sie sich auch anstrengte. Aber es ging einfach nicht. Und das war auch der Grund, warum George nicht zu den Zwillingen wollte.

Svenja sah George einen Moment nachdenklich an. „Wir werden sehen“, sagte sie schließlich. „Wir werden dann sehen.“

Schweigend nahmen die drei Kinder ihre Suppenschüsseln von Geige an und begannen zu essen. Niemand sprach dabei, sie lauschten nur den Gesprächen der anderen. Und hörten dann, wie Nils und Mysla mit Luy sprachen, die beiden Zwillinge waren auch dabei.

„Aber sie sind wirklich weg, Luy!“, beteuerte Nils.

„Ja, wir haben sie den ganzen Vormittag gesucht!“, fügte Joy hinzu.

„Wirklich!“, unterstützte Joel.

„Wir waren in der Stadt, im Wald…überall hier in der Nähe“, erklärte Mysla verzweifelt. Sie war den Tränen nahe, das sah man ihr an. Und George tat sie leid. Für sie wäre es genauso schlimm, wenn Lucky oder Tim weg wären…

„Und was wollt ihr mir damit sagen? Dass die Hunde sich weggezaubert haben oder wie?“, meinte Luy genervt.

„Nein, das nicht, aber…“

„Genug jetzt, es reicht. Die Hunde werden schon wieder auftauchen. Und dabei belassen wir es jetzt!“, beendete Luy die Diskussion und lief zurück in seinen Wohnwagen.     

„Oh man“, murmelte Mike mitfühlend. „Das ist die Frage. Wie sind die Hunde abgehauen? Und wo sind sie? Ich meine, hallooo? Klarer geht’s doch nicht mehr! Sie wurden entführt!“

George nickte. „Ja, es gibt keine andere plausible Erklärung dafür. Svenja, da musst du uns doch zustimmen.“

„Stimmt schon…aber wir wissen es ja nicht wirklich…“, antwortete sie leise. „Ich hab noch eine Extrastunde bei Svipa, bis nachher.“ Damit stand sie auf und lief eilig davon.

George sah ihr nach. „Sie nimmt aber ganz schön viele Extrastunden, oder?“, meinte sie.

„Sie will halt wirklich gut werden“, brummte Mike. „Kann ich noch mehr Suppe bekommen?“ Melodie lächelte und füllte seine Schüssel. Mike begann wieder zu essen.

George nickte. „Ich möchte auch gut werden. Ich freue mich schon darauf, zusammen mit Vagna und Glasir mit Mephisto zu üben.“ George lächelte zufrieden. „Wir fangen nämlich heute damit an. Gleich.“

„Cool“, Mike grinste. „Ernir und ich üben auch schon.“

Glasir und Vagna standen auf, winkten George zu sich. „Oh, ich muss los, bis nachher. Dann kümmern wir uns um Boost und Finn.“ George grinste.

„Geht klar, Boss“, meinte Mike ergeben und grinste zurück. „Bis nachher. Und lass dich nicht beißen.“

„Jaja“, George lachte und lief zu ihren Lehrern. Gemeinsam liefen sie wieder zu deren Wagen und setzten sich vor den Tisch. Vagna und Glasir begannen, George in ihre Ideen für eine Showeinlage einzuweihen und George steuerte eigene Ideen bei. Als ein grober Plan feststand, beschlossen Vagna und Glasir, das sie von jetzt an jeden Nachmittag und Vormittag üben würden. Glasir würde George jetzt beobachten, helfen und Tipps geben, während Vagna mit ihren Tigern üben würde. Und am Vormittag wäre es dann andersherum. Vagna würde George helfen und Glasir würde mit seinen Löwen trainieren. Und wenn jeder seine Ideen umgesetzt hatte, würden sie es zusammen probieren, auch mal im Zirkuszelt, damit die Plätze und alles stimmten.

Eine Besonderheit vom Zirkus Drygansil war nämlich, das Löwen und Tiger frei herumliefen. Das durften sie aber auch nur, weil Vagna und Glasir eine richtige Ausbildung in ihrem Gebiet, dem Umgang mit Raubtieren, absolviert hatten. Das fand George cool.

Als Vagna bei ihren Tigern verschwand, gingen Glasir und George zu Mephisto. „Es ist gut, dass du dich um ihn gekümmert hast. Dadurch hast du eine Bindung geschaffen, die nicht so schnell zerbricht“, sagte Glasir. „Wir werden erstmal nur im Käfig trainieren. Wenn wir dann im Zirkuszelt arbeiten, werden wir es ohne Käfig versuchen.“

George nickte. Sie verstand, das Glasir noch Respekt vor Mephisto hatte. Und auch die Sorge, dass vielleicht etwas passieren konnte, war für sie nachvollziehbar. Aber sie war sich sicher, dass nichts passieren würde. Sie vertraute Mephisto, wie Mephisto ihr vertraute.

Dann begann sie mit ihrem Freund zu üben. Glasir sagte ihr immer wieder etwas, gab ihr Tipps und als er sich sicher war, dass Mephisto wirklich brav war, kam er zu den beiden und zeigte George ein paar seiner grundlegenden Techniken und Tricks. Mephisto konnte seine Kunststücke, die Glasir ihm beigebracht hatte, bevor Mephisto sich gegen ihn gesträubt und ihn erstaunlicher Weise angefallen hatte, noch immer. George sah ihrem Löwen an, dass er Spaß bei der Sache hatte.

Nachdem Glasir ihr einen Trick gezeigt hatte, versuchte sie seine Zeichensprache selbst nachzuahmen und übte solange, bis es funktionierte. Dann freute sie sich und schmuste mit Mephisto. Glasir lächelte. George mochte Glasir, er war freundlich und nicht so streng an Regeln gebunden, wie ihr Vater.

Glasir holte einen Hocker, bemalt in den Farben des Zirkus, und stellte ihn vor Mephisto. „Versuche ihm, per Handzeichen zu sagen, dass er sich auf den Hocker stellen soll“, beauftragte er George. Das sollte für George die erste Prüfung sein, ob sie das Prinzip verstanden hatte.

George nickte, stellte sich hinter den Hocker und gab Mephisto das Zeichen zum Herkommen, indem sie schnalzte und sich auf die Oberschenkel klopfte. Mephisto sah sie an, lief ein paar Schritte und starrte dann verdutzt auf den Hocker. George lächelte, schnalzte wieder und zeigte auf den Hocker. Mephisto reagierte nicht, starrte nur noch immer verdutzt auf den Hocker.

„Mephisto, komm“, flüsterte George und hockte sich hin. Sie tippte auf den Hocker. „Komm, das tut dir nichts.“ Endlich bewegte sich Mephisto, setzte vorsichtig eine Pfote auf den Hocker und nachdem er herausgefunden hatte, dass es stabil war, stellte er auch die zweite Vorderpfote rauf und sah George neugierig an. Das Mädchen lächelte und richtete sich wieder auf, kraulte ihn dann zwischen den Ohren. „Gut gemacht“, lobte sie zufrieden. „Oder?“ Sie sah zu Glasir.

Dieser bejahte. „Ja, für den Anfang perfekt. Du wirst in dieser Woche viel mit Mephisto trainieren, dann wirst du mit der Zeit weniger Handzeichen benötigen, damit er deinen Anweisungen folgt. Noch kennt er das meiste nicht, aber wenn er sich daran gewöhnt hat, wird es für ihn wie für dich immer einfacher.“

George nickte zustimmend. Das klang logisch, fand sie. Desto mehr Training, desto besser würden sie werden, ja, logisch.

Nach weiteren Übungen war die Zeit so schnell verstrichen, dass George sich eilig von Mephisto und Glasir verabschiedete und zum Abendessen lief, um sich mit Mike und Svenja zu unterhalten. Die beiden berichteten ihr von ihren Fortschritten und George tat es ihnen gleich.

„Machen wir heute Abend noch was?“, fragte Mike, nachdem alle fertig waren.

„Joy und Joel haben eine kleine Party in ihrem Wagen geplant“, berichtete Svenja.

„Woher weißt du das denn?“, fragte George verwirrt.

„Ich, ähm…habe das nur zufällig gehört, vorhin irgendwann“, stammelte Svenja und wurde rot.

Dann stand plötzlich Joy vor den dreien. „Und, kommst du?“, fragte er Svenja und lächelte. George und Mike schenkte er kaum Beachtung.

Svenja, jetzt puterrot geworden, sah kurz zu George und Mike. „J-ja, ich komme…dürfen die beiden auch mitkommen?“

Joy sah kurz zu den beiden. „Ich glaube, das findet Joel nicht so toll“, verneinte er, man sah aber deutlich, dass er sich dabei unwohl fühlte. „Sorry…“

„Ich werde sehen, ob ich komme“, murmelte Svenja.

„Dann…bis nachher, hoffentlich“, sagte Joy, grinste verlegen und lief dann davon.

„Was war das denn jetzt?“, meinte George sofort und sah Svenja fordernd an. „Was bedeutet das, hm?“

„Sei nicht so!“, meinte Svenja. „Joy ist gar nicht so, wie du denkst! Sein Bruder vielleicht schon, aber Joy nicht!“
„Ach ja? Und woher willst du das wissen?“

„Weil ich vorhin mit ihm geredet habe. Und gestern auch!“

„Ach sooo“, warf Mike ein. „Das waren deine Extrastunden mit Svipa, richtig?“

Svenja sah weg.

 „Stimmt das?“, hakte George nach, sie konnte ihre aufkeimende Wut nicht länger unterdrücken. „Du hast dich mit dem getroffen, heimlich?!“

„Du hast dich verknallt, oder?“, fügte Mike grinsend hinzu.

„Hört auf damit! Ich bin hier in keinem Verhör! Ich kann tun und lassen, was ich will! Und ich gehe zu dieser Party!“ Svenja sprang auf, sah böse und verzweifelt zugleich zwischen Mike und George her. Dann rannte sie weg, zum Wagen Nummer 4.

„Schön, dass du uns das verheimlichst hast!“, rief George ihr wütend nach. „Ich dachte, wir erzählen uns alles!“ Dabei sah sie auch kurz zu Mike. Er verheimlichte ja auch etwas. Sie wusste nur nicht, was.

Sie war ein wenig enttäuscht. Svenja hatte etwas verheimlicht und Mike tat es immer noch. Und…sie selbst verheimlichte ja auch etwas…

Waren das gute Grundsätze für eine Freundschaft?

© by George28

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Kommentare: 11
  • #1

    Leonie (Dienstag, 21 Oktober 2014 19:51)

    Echt cool. Ist Mike eigentlich in George verliebt?!

  • #2

    George28 (Dienstag, 21 Oktober 2014 19:55)

    Nein, warum?

  • #3

    Leonie (Dienstag, 21 Oktober 2014 20:38)

    Am Anfang hat es so gewirkt als ob.

  • #4

    George28 (Dienstag, 21 Oktober 2014 21:08)

    Ach, der hat sie nur bewundert ^^

  • #5

    Valeria_Fan (Samstag, 25 Oktober 2014 11:00)

    Super!!!!!!=):*

  • #6

    George Kirrin (Sonntag, 26 Oktober 2014 17:15)

    Echt cool. Weiter so du hast Talent

  • #7

    Hannes (Montag, 03 November 2014 22:06)

    Super Kapitel! Ich freu mich schon aufs nächste :)

  • #8

    George28 (Mittwoch, 05 November 2014 17:25)

    Danke :) Das wird aber wieder ne Weile dauern x'D

  • #9

    George Kirrin (Sonntag, 26 Juli 2015 19:04)

    Cooles Kapitel!!!
    Du kannst echt toll schreiben.
    Ich freue mich schon auf das 14. Kapitel :D

  • #10

    loverboy (Sonntag, 04 Oktober 2015 11:50)

    Gibt es noch weitere Kapitel bitte die gesichte war so toll bit5e

  • #11

    boy (Samstag, 19 Dezember 2015 21:21)

    Gibt es noch ein 14 kapitel

Ich bin KEINER der Fünf Freunde Schauspieler, nur ein Fan!



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