Alles wieder gut (Kapitel 14)

George fühlte sich schlecht. Sie sah mit düsterer Miene in das Feuer. Es war ihre Schuld, dass sie sich mit Svenja zerstritten hatte. Und sie hatte das miese Gefühl, dass es wirklich ein Streit gewesen war, der die Freundschaft zerbrochen haben könnte.

„Svenja ist wirklich in Joy verliebt, oder?“, fragte sie Mike leise.

„Ich glaube schon…und das beruht auf Gegenseitigkeit. Joy hat sich so…benommen, wie es Verliebte in Filmen immer tun.“ Mike rang sich ein Grinsen ab.

George seufzte deprimiert. „Ich hätte nicht wütend werden dürfen und wir hätten uns nicht über sie lustig machen sollen“, meinte sie.

Mike und George waren welche der letzten, die noch am Lagerfeuer saßen. Tim und Lucky schleckten die restlichen Teller ab und stritten sich dabei um die letzten Krümel. Die meisten Artisten waren schon ihre Wagen gegangen und die anderen Ferienkinder waren vermutlich alle bei den Zwillingen. Wo auch Svenja jetzt wohl war… Ob Joy wirklich nicht so fies war wie Joel?, fragte sich George. Machte er nur mit, weil er seinen Bruder nicht im Stich lassen wollte, so wie Anne es bei Richard und Julius tat? Es war tatsächlich gut möglich… Vielleicht sollte ich doch mal mit Joy reden, wenn Joel nicht dabei ist, überlegte sie nachdenklich. Dann könnte sie auch gleich herausfinden, ob Joy da ein böses Spiel mit Svenja trieb, denn das würde sie Joel jedenfalls zutrauen. Ob Joy so war oder ob da wirklich Liebe mitmischte, dass wusste sie eben nicht genau.

Als auch die letzten Artisten gingen, standen George und Mike auf, um ebenfalls zu Bett zu gehen. Auf der Party waren sie ja nicht willkommen, dass hatte Joy ja irgendwie klargemacht. Also liefen die beiden schweigend in die Richtung ihres Wagens. George hatte bei dem Streit ganz vergessen, dass sie ja eigentlich Boost und Finn hatte beobachten wollen.

Plötzlich blieb Mike stehen. „George! Da war was!“, meinte er leise und zeigte zu dem Wagen von Ernir.

„Wirklich?“, fragte sie und folgte seinem Blick. „Tim? Lucky?“

Die beiden Hunde winselten leise, was Mike sofort als Zustimmung deutete.

„Ja! Komm, lass uns nachsehen!“ Mike lief vor, ohne das George eine Chance gehabt hätte, ihn zurückzuhalten. Eigentlich war sie müde, das machte sich auch durch das ständige Gähnen bemerkbar, immerhin hatte sie heute viel mit ihrem Löwen geübt, aber Mike alleine gehen zu lassen, schien ihr falsch, sie wollte doch nichts verpassen! Also lief sie ihm hastig hinterher, gefolgt von Tim und Lucky.

Die beiden schlichen den Wagen von Ernir entlang und vernahmen ein leises Schnarchen. Ein Fenster war offen, deshalb hörte man es. Die beiden liefen weiter, immer darauf bedacht, im Dunkeln zu bleiben und von keinen Laternen angeleuchtet zu werden, die noch immer brannten, aber bald ausgehen würden, da es Kerzen waren. George hielt dabei Tim und Lucky etwas zurück. Die beiden durften keine verräterischen Geräusche machen.

Dann entdeckte George eine Gestalt ganz weit hinten bei einem Wagen. „Du hattest Recht, da ist wer!“, zischte sie Mike zu. „Los, wir müssen näher ran.“

Also schlich Mike vor und George folgte ihm. Kurz war es so dunkel, das die beiden blind voranschlichen, sich schlussendlich von Tim und Lucky führen lassen mussten.  Als George das nächste Mal etwas erkennen konnte, war die Gestalt weg. „Mist!“, fluchte sie. „Ich wette, das war der Dieb!“

Mike nickte. „Das muss er gewesen sein. Nur, was hat er diesmal gestohlen? Oder, hat er überhaupt etwas gestohlen?“
„Ich weiß es nicht“, George gähnte. „Aber ich glaube, wir werden das spätestens morgen früh erfahren. Jetzt hat es eh keinen Sinn mehr, hier herumzulaufen. Der Täter ist weg und Lucky und Tim hatten keine Chance, seinen Geruch aufzunehmen… Wir sollten schlafen.“

Die beiden machten sich auf den Weg zurück. George legte sich in ihr Bett und kuschelte sich in die Decke. Tim und Lucky legten sich neben ihre Beine, Lucky riss sein Maul auf und gähnte herzhaft, und dann schliefen sie ein. Svenja kam erst spät am Abend ins Bett. Sie war zwar müde, aber überglücklich. Joy und sie hatten zusammen getanzt…

 

Am nächsten Morgen wachte George wie immer pünktlich auf. Diesmal blieb sie aber noch im Bett liegen und wartete auf Mike und Svenja. Dabei fiel ihr der Streit wieder ein. Ich muss das wieder gerade bügeln, dachte sich George. Wenn Svenja verliebt ist, dann ist sie eben verliebt, das muss ich, wohl oder übel, akzeptieren.

Sie kraulte gedankenverloren Tim den Kopf. Der hechelte leise und kam ein Stück nach vorne gekrochen um sich an sie zu schmiegen. Lucky blieb wo er war und schlief. Das Toben der letzten Tage machte ihn müde.

Dann regte sich Svenja langsam in ihrem Bett, stand auf und bemerkte gar nicht, dass George schon wach war.

„Svenja“, sagte George leise und richtete sich auf.

Svenja fuhr erschrocken herum und sah George an. „Was? Willst du dich wieder über mich lustig machen?“, fragte sie spitz.

„Nein, Svenja…ich möchte mich…entschuldigen.“ George stand auf. Es behagte ihr nicht ganz, sich entschuldigen zu müssen, aber sie sah ein, dass es ihr Fehler gewesen war und deshalb musste sie sich ja entschuldigen, anders wäre es falsch gewesen. „Ich weiß, dass ich gestern gemein zu dir war und ich werde es akzeptieren, dass du Joy sehr magst.“

Svenja sah George überrascht an. „Wirklich?“

George nickte. „Ja. Ich will nicht, dass wir keine Freunde mehr sind…“

Svenja nickte und umarmte George. „Das wollte ich auch nie, nur gestern Abend…“
„Es tut mir leid“, murmelte George und löste sich rasch aus der Umarmung. Es war ihr unangenehm. „Wie war denn die Party?“, fragte sie dann neugierig.

Svenja lächelte. „Lustig. Wir haben viel geredet und am Ende getanzt. Ich mit Joy…“ Sie wurde rot.

„Das ist doch toll!“, freute sich George für ihre Freundin. Sie musste einfach vergessen, dass es einer der Zwillinge war. Svenja war ihre Freundin und das zählte nun mal mehr.

„Und was habt ihr gestern Abend noch gemacht?“, wollte Svenja wissen.

Georges Augen begannen zu leuchten. „Wir glauben, wir haben den Dieb gesehen!“

„Was?“, Svenja riss die Augen auf. „Und wer war es?!“

„Das…wissen wir nicht. Er hat sich nur verdächtig benommen. Ist herumgeschlichen und dann spurlos verschwunden, mitten in der Nacht, wo schon alle schliefen!“, berichtete George. „Aber wir waren zu weit weg, um etwas erkennen zu können. Leider…“

„Und es war wirklich der Dieb?“
„Vielleicht. Wenn ja, dann werden wir es ja heute erfahren, wenn wieder etwas verschwunden ist.“

Svenja nickte zustimmend. „Mike schläft immer noch…“

„Wollen wir ihn wecken?“ George grinste frech.

„Na gut“, auch Svenjas Grinsen wurde breiter.

Damit schmiedeten die Mädchen schnell einen kleinen Plan, um Mike zu ärgern. Svenja legte sich wieder in ihr Bett. George kletterte das Doppelstockbett hoch, denn oben schlief Mike, unten Svenja. „Mike! Mike! Svenja wacht nicht auf! Mike!“ Sie rüttelte an seinen Schultern. „Mike, Hilfe!“

Mike schrak hoch. „Wie? Wo? Was? Svenja?“, fragte er erschrocken. „Was ist los?“

„Svenja wacht nicht auf!“, meinte George und bemühte sich, nicht zu lachen und ernst zu bleiben. Sie kletterte wieder vom Bett, gefolgt von Mike, und sah hilflos zu Svenja. „Sie wacht nicht auf…“

Mike beugte sich über Svenja. „Svenja?“

„Buh!“, rief sie und richtete sich auf.

Mike taumelte vor Schreck zurück, stieß sich dabei den Kopf an dem Bett und blieb in sicherem Abstand stehen, das Gesicht blass wie bei einem Gespenst. „Was war das denn jetzt?“, meinte er verdattert.

„Reingelegt!“, riefen die Mädchen im Chor und lachten.

„Hä?“, Mike verstand nur Bahnhof. Er war viel zu müde, um den Gedankengängen von George und Svenja so schnell zu folgen. Als er es dann auch endlich verstand, sah er die Mädchen beleidigt an. „Mit sowas scherzt man aber nicht und überhaupt, das war voll unfair!“

„Ach komm, das war doch nicht so schlimm“, Svenja lächelte. „Außerdem wollten wir uns doch erkunden, ob wieder etwas gestohlen wurde.“

„Ach ja! Warte…du weißt schon davon?“

„Wir schlafen eben nicht solange wie du“, kicherte George. „Und jetzt kommt.“ Und damit ging das Mädchen mit Lucky und Tim vor. Mike und Svenja folgten ihr.

„Ähm…heißt das jetzt eigentlich, dass wir uns vertragen haben?“ Mike sah unsicher zwischen den Mädchen hin und her. Die beiden hatten ihn zusammen reingelegt, obwohl sie gestern Abend gestritten hatten. Hieß das also, alles war wieder gut?

„Ja“, meinte Svenja lächelnd.

George nickte. „Es ist doch in Ordnung, wenn Svenja, äh, Joy mag…“ Es gefiel ihr zwar immer noch nicht, aber gut. „Mike, bei welchem Wagen war der ‚Dieb‘ gestern?“, fragte sie dann nachdenklich.

„Hm…Ich glaube, er war bei Snorry, dem Bauchredner“, überlegte Mike. „Ja, ja ich denke wirklich.“

„Dann sollten wir bei ihm vorbeisehen“, entschied George. „Er wird ja wissen, wenn etwas bei ihm gestohlen wurde.“ Die drei Kinder machten sich auf den Weg, gemeinsam mit Lucky und Tim. Als sie bei Snorrys Wagen ankamen, klopften sie höflich wie es sich gehörte und warteten.

Die Tür öffnete sich uns Snorry sah heraus. Man sah nur seinen kugelrunden, pummeligen Kopf. Er sah so aus, als hätte er nie seinen Babyspeck verloren, weshalb viele ihn, trotz seines erwachsenen Alters, als niedlich empfanden. Um ehrlich zu sein, er benahm sich auch meist mehr wie ein Kleinkind als erwachsen, so auch jetzt.

„Was gibt’s denn?“, fragte er grinsend.

„Wir wollten nur fragen, ob etwas bei dir fehlt, Snorry“, übernahm Mike das Wort. „Wir vermuten, dass der Dieb wieder zugeschlagen haben könnte, wenn es denn einen Dieb gibt.“

„Bei mir soll etwas gestohlen worden sein? Was soll man denn bei dem guten Snorry stehlen?“, fragte er kichernd. „Ich kann ja mal nach sehen und sage euch Bescheid, wenn wirklich etwas fehlt. Aber ich bezweifle es, ich hab doch nix Besonderes.“ Er grinste immer noch, als würde er wirklich nicht glauben, dass man ausgerechnet bei ihm etwas stehlen sollte.

„Ist gut“, meinte George nickend. „Sollen wir bei den anderen auch fragen?“

Svenja und Mike nickten zustimmend und sahen auch bei den anderen Zirkusleuten vorbei, fragten höflich und verabschiedeten sich. Aber niemand wusste es so genau und wollte erst nachsehen, später Bescheid geben. Alle bezweifelten, dass bei ihnen etwas gestohlen worden sei, bisher wäre es nämlich niemandem aufgefallen. Das fand George irgendwie seltsam. Oder hatten sich Mike und George geirrt? Wollte der ‚Dieb‘ gar nichts stehlen? Sondern hatte einfach die Lage ausgekundschaftet? Vielleicht wollte er etwas planen…

„Mike, haben Boost und Finn irgendwas gesagt? Irgendwas Verdächtiges? Wir…wir können ja auch mal die beiden fragen, ob bei denen etwas fehlt! Sonst glauben sie noch, wir würden sie verdächtigen und wenn sie glauben, sicher zu sein…vielleicht machen sie ja dann Fehler!“ George sah ihre Freunde an, schon leuchteten ihre Augen wieder.

Mike grinste, als er George so sah, dann nickte er einstimmig mit Svenja. „Kann ja letztendlich nicht schaden.“ Schon gingen die drei Freunde, fünf, wenn man die beiden Hunde dazurechnete, zu Ernirs Wagen. Als sie klopften, öffnete Ernir.

„Was wollt ihr denn schon wieder?“, fragte er.

„Ach, ich wollte nur schon wegen dem Training kommen“, erklärte Mike. „Und wir wollten kurz mit Boost und Finn reden.“

„Die beiden sind grade ein bisschen spazieren gegangen“, erklärte Ernir. „Es ist noch viel zu früh zum Training, Mike, ich muss erstmal was essen!“ Ernir gähnte. Er war einer von den Schlafmützen, er hasste das Aufstehen. Egal um welche Uhrzeit, er hasste es einfach aus Prinzip. Aufstehen bedeutete Arbeit und Arbeit war anstrengend. Auch wenn es bedeutete, Clown zu spielen, es war trotzdem anstrengend.

„Wohin sind sie denn gegangen?“, fragte Mike neugierig.

„Da lang…Richtung Stadt. Sie wollten in Glanzberg irgendwas machen.“ Ernir kratzte sich am Kopf. „Mehr weiß ich nicht, wenn ihr mich aber entschuldigen wollt, ich habe Hunger.“ Schon schloss er die Tür hinter sich und drängte sich an den drei Kindern vorbei. Er lief zu der Lagerfeuerstelle, wo immer alle gemeinsam aßen.

Mike sah von George zu Svenja. „Denkt ihr dasselbe, was ich denke?“

„Wenn du denkst, dass wir jetzt nach Glanzberg gehen, dann ja.“ Svenja grinste, George nickte. „Wir müssen uns nur bei Luy abmelden, dann sollte das klargehen.“ Das ließ sich sogar sehr schnell regeln. Luy hörte nur mit halbem Ohr zu, war abgelenkt von den anderen, die ja schon frühstückten und gab seine Zustimmung. Also liefen die Freunde los, nach Glanzberg. Weit war der Weg nicht.

„Wo die beiden wohl sind?“, fragte Mike.

„Sie wollten irgendwas…keine Ahnung, was sie wollten. Aber wenn sie die Diebe sind, dann hat es vielleicht etwas damit zu tun“, überlegte George.

„Aber was sollten sie dann machen?“, Svenja runzelte die Stirn. „Das hilft uns nicht weiter…“

Mike blieb stehen und sah sehnsüchtig auf das Schild neben dem Fenster: Café Sonnenrot. „Sagt mal, habt ihr nicht auch Frühstückshunger?“, fragte er ein wenig kleinlaut. George und Svenja grinsten.

„Wo du es erwähnst, eigentlich schon. Habt ihr Geld mit?“ George sah zu Svenja, Svenja sah zu Mike.

„Immer doch“, antwortete dieser. „Ich geh nie ohne…falls ich zum Beispiel Hunger hab.“ Er zeigte seine strahlend hellen Zähne.

„Da hat sich wer fürs bezahlen gemeldet“, verkündete Svenja lachend.

Die drei gingen, gefolgt von zwei hechelnden, gierigen Hunden ins Café. Schnell war etwas bestellt, eine Frühstücksplatte, das würde reichen. Als das Essen kam, brachte man sogar zwei Schalen mit Wasser für Lucky und Tim. Die Hunde fingen durstig an zu schlecken. Mike hatte sofort ein belegtes Brötchen in der Hand und fing an zu essen, die Mädchen, nun auch gepackt vom Hunger, griffen auch nach den Brötchen und aßen. Eine ganze Zeit lang herrschte zufriedene Stille. Zwischendurch fielen, ganz zufällig, Brötchenkrümel auf den Boden, die dann sofort von Lucky und Tim gefunden wurden.

Dann verschluckte sich Svenja plötzlich an ihrem Glas Milch und hustete. Hastig klopfte Mike ihr auf den Rücken. „Was ist denn los?“

Als Svenja wieder zu Atem kam, schüttelte sie sich. „Ah…alles gut“, stöhnte sie. „Nur…da!“ Sie zeigte zu der Tür, wo drei Männer standen und von einer der Kellnerinnen zu einem Platz gewiesen wurden. Zwei der Männer waren den drei Kindern wohlbekannt.

„Boost und Finn“, flüsterte George.

© by George28

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Kommentare: 2
  • #1

    Sarah1 (Montag, 04 Januar 2016 12:06)

    Echt cool geschrieben, genau so cool wie die anderen Kapitel!!!!!!! Kompliment!

  • #2

    Pfefferkörnerfanseite (Dienstag, 05 Januar 2016 11:13)

    Krass, du kannst echt gut schreiben! Mach weiter so! Das Kapitel ist toll ;)

Ich bin KEINER der Fünf Freunde Schauspieler, nur ein Fan!



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