Diebstahl? (Kapitel 12)

George wälzte sich unruhig in ihrem Bett. Irgendwann konnte sie gar nicht mehr schlafen. Die blöde Drohung der Zwillinge ging ihr einfach nicht aus dem Kopf! Und wenn es nur dazu war, um sie zu verunsichern, es hatte funktioniert. Sie war jetzt verunsichert.

Dann fiel ihr ein, dass sie Mike und Svenja ja gar nichts über das Gespräch von Finn und Boost erzählt hatte! Dabei war das doch mindestens genauso wichtig wie das mit den Zwillingen. Der einzige Unterschied war, dass George das mit Joy und Joel für sich behalten würde.

Das Mädchen stand auf, zog sich leise an und verließ den Wagen. Tim und Lucky folgten ihr hastig, wenn auch noch ein wenig verschlafen. Draußen war es noch dunkel, na ja, nicht ganz so dunkel mehr, aber noch früh am Morgen. Deshalb war es ganz still auf dem großen Platz und es brannte nirgendwo ein Licht. Alle schliefen noch. Man hörte nur ganz leise das Wiehern der Pferde von der Koppel.

George beschloss, Sammy aufzusuchen. Ihren Freund hatte sie ganz vergessen, weil sie so viel an Mephisto gedacht hatte. Sie lief zur Koppel, betrat diese und pfiff leise. Gleich darauf kam der Haflinger angetrabt und stupste George an. Er schnaubte zufrieden. George lächelte und streichelte ihm sanft über die Nüstern.

Ich sollte das mit den Zwillingen einfach vergessen, dachte sich George. Ich habe Freunde, die mir helfen.

Sie setzte sich auf den Zaun, beobachtete, wie Sammy graste, Lucky und Tim herumtollten und genoss dabei den schönen frühen Morgen. Als es heller wurde, wurde es bei den Wohnwagen langsam lauter. Die ersten Zirkusleute erwachten und begannen, sich fertig zu machen und den Tag vorzubereiten.

George verabschiedete sich von Samy, froh, ein wenig Zeit mit ihrem Pferd verbracht zu haben, und ging dann zurück zu ihrem Wagen. Als sie eintrat, wollten Svenja und Mike gerade rausgehen.

„Boah! George, wo warst du denn schon wieder?“, meinte Mike und grinste. „Svenja hat sich schon wieder Sorgen gemacht!“ Er sah Svenja belustigt an. Diese errötete ein wenig.

„Stimmt doch gar nicht!“, widersprach sie sofort.

George lachte. „Ich war nur bei Sammy“, erklärte sie lächelnd. „Mehr nicht. Aber ich muss euch noch etwas erzählen, das habe ich gestern ganz vergessen.“ Und so begann sie, das Gespräch von Finn und Boost zu erläutern.

Mike wurde blass. „Was wollen sie von Ernir?!“, meinte er dann unruhig. „Ich meine…was könnten sie von ihm wollen? Warum wollen sie ihn im Auge behalten? Ich verstehe das nicht…“

„Aber es wird immer offensichtlicher…sie haben etwas vor“, meinte Svenja jetzt nervös. „Sie wollen irgendetwas machen.“

George nickte zustimmend. „Wir müssen sie im Auge behalten und das rausfinden.“

„Ja“, sagte Mike. „Das müssen wir auf jeden Fall!“

 

Nachdem alle gemeinsam gefrühstückt hatten, Joy und Joel George nicht eines Blickes gewürdigt hatten, war George sich wieder sicherer. Die beiden würden bestimmt nichts machen, dazu sind sie zu feige, dachte sie. Außerdem hatte sie jetzt eine Aufgabe. Finn und Boost mussten beschattet werden.

Als Svenja sich hastig verabschiedete, um bei Svipa eine Extrastunde zu bekommen, machten sich George und Mike auf den Weg zu Mephisto. Dabei kamen sie bei den Dresseuren vorbei, Tim und Lucky liefen sofort schwanzwedelnd zu ihren Kameraden. George sah ihnen nach, dabei fiel ihr Blick auf Mysla, die weinend vor dem Wagen saß.

Sie stieß Mike mit dem Ellenbogen an. „Was ist denn da los?“, fragte sie.

„Mysla…weint?“, meinte Mike verblüfft. „Los, lass uns nachsehen!“

Die beiden rannten zu dem Wagen. Nils kam gerade heraus, auf einem Tablett eine dampfende Tasse Tee. „Trink das, Mysla“, meinte er und gab ihr die Tasse. „Das beruhigt.“

„D-danke“, schluchzte Mysla.

„Was ist denn los?“, fragte George vorsichtig. „Ist etwas passiert?“

Nils sah auf. „Oh ja“, sagte er und man hörte ihm die Sorge an.

„Und was?“, erkundigte sich Mike.

„Kläff, Cloey und Stroch sind verschwunden!“

„Hunde?“, fragte Mike vorsichtshalber nach.

„Ja, verdammt! Unsere drei Haupthunde der Show!“

„Oh…“, meinte Mike betreten.

„Wie sind sie verschwunden? Weggerannt?“, sagte George und runzelte die Stirn. Wenn ja, dann kamen sie doch bestimmt wieder…

„Eben nicht!“, meldete sich Mysla klagend zu Wort und streichelte einen kleinen Welpen auf ihrem Schoss. „Sie sind, sie sind…“ Sie schluchzte laut. „…weg.“

Das half George jetzt auch nicht weiter. Hilfesuchend sah sie zu Nils.

„Sie meint damit, wir haben unsere treuen Vierbeiner wie jeden Abend in ihren Wagen gesperrt. Abgeschlossen. Da kam niemand ran. Und trotzdem waren die drei heute Morgen nicht da, das Schloss aber trotzdem verriegelt.“

Ungläubig sahen George und Mike die beiden an. „Sie meinen, die drei sind entführt worden?!“

„Wir wissen es nicht. Nur wir beide haben die Schlüssel. Und Luy auch. Aber er hat von allen einen Zweitschlüssel“, erklärte Nils ruhig. Aber George wusste, dass er mit seiner Ruhe seine Sorge zu verbergen suchte und außerdem konnte er so Mysla helfen, wieder runter zu kommen, sich zu beruhigen.

„Dann heißt das ja, dass es nur welche aus dem Zirkus gewesen sein können. Was für eine Frechheit! Man bestiehlt doch seine Kameraden nicht!“, meinte Mike wütend.

„Nanana! Keine grundlosen Anschuldigungen! Das gehört sich ebenfalls nicht“, widersprach Nils heftig. „Wir wissen nicht, wer es gewesen sein könnte, noch wer ein Motiv hätte. Wir könne niemanden Beschuldigen. Vielleicht sind sie auch irgendwie abgehauen…wir wissen es nicht.“

George nickte. Und auch Mike nickte verdrossen. Dann gingen die beiden weiter zu den Dompteuren.

„Wie sollen die Hunde denn selbst abgehauen sein? Durch Magie oder was?“, murrte Mike. „Niemals. Die wurden gestohlen. Außerdem haben Nils und Mysla ihre Hunde sogar darauf trainiert, immer in ihrer Nähe zu bleiben und nicht abzuhauen!“

„Und sie wurden immer ordentlich gepflegt, oder nicht?“, fügte George hinzu.

„Ja! Also, dann müssen sie doch entführt worden sein!“

„Und ich hab auch schon eine Idee“, murmelte George. Mike sah sie an. Dann sagten beide im Chor: „Finn und Boost.“

 

Mike begab sich zu Ernir, um da Boost und Finn im Auge zu behalten, und George ging zu Vagna und Glasir. Beide warteten bereits auf sie. George freute sich. Würde sie heute endlich etwas lernen? Etwas, das für den Zirkus von großem Nutzen sein konnte? Ihre Augen leuchteten.

„George“, Glasir lächelte. „Bereit, mit Mephisto zu üben?“
„Ja!“, meinte George eifrig. „Ja, auf jeden Fall!“

„Gut“, sagte Vagna. „Dann erkläre ich dir erstmal die Grundlagen.“ Vagna setzte sich an einen Tisch vor ihrem Wagen. George setzte sich ihr gegenüber. Und Glasir ging zu den Tigern, um die Käfige zu säubern.

„Also. Am wichtigsten ist es natürlich, keine Angst zu zeigen. Aber das solltest du seit deinem ersten Zusammentreffen mit Mephisto ja wissen“, begann Vagna. „Außerdem musst du Stärke ausstrahlen, dass erreichst du am besten, in dem du aufrecht stehst und dich groß machst.“

George nickte.

„Du musst auch wissen, dass Löwen und Tiger Raubtiere sind. Wenn sie dir in die Augen sehen, musst du den Blick erwidern, bis sie deinem Blick ausweichen. Dann hast du gewonnen. Ganz wichtig, niemals wegschauen. Denn das machen ihre Beutetiere und damit sind die Löwen dazu animiert, zu jagen und dich als Beute zu sehen. Zwar sind unsere Tiere darauf trainiert, bei so etwas nicht in diese Jagdhaltung zu fallen, aber sie sind, wie alle Tiere, manchmal unberechenbar.“

Wieder nickte George aufmerksam. Vagna erzählte ihr noch viel mehr und sie versuchte, sich alles einzuprägen. Aber es waren eigentlich einfache Prinzipien. Man musste dem Löwen oder Tiger nur beweisen, dass man der Boss ist. Und Fehler vermeiden, die Schwäche zeigen. Von der Theorie her einfach.

Aber in der Praxis?

George sollte ihr neu erlerntes Wissen bei einem der Tiger anwenden. Er wurde von Vagna extra in einen anderen Käfig gesperrt, dann durfte George hinein, Vagna begleitete sie, blieb aber an der Tür stehen. War so jedoch in der Lage, notfalls einzugreifen.

„Versuche, Vertrauen zu ihm aufzubauen und dich als Chef zu repräsentieren“, gab Vagna als Aufgabe.

George sah dem Tiger in die Augen. Der Tiger in ihre. Doch irgendwann wich er ihrem Blick aus.

„Sehr gut!“, meinte Vagna.

Glasir betrat den Käfig und stellte sich dazu. Anscheinend war er fertig mit dem Säubern der Käfige. „Steh aufrecht“, bemerkte er. „Immer aufrecht stehen bleiben, denk daran.“

George bemühte sich, die Anweisungen ihrer Lehrer zu befolgen. Sie musste zugeben, dass sie gar nicht gemerkt hatte, nicht mehr aufrecht zu stehen. Dabei stand sie doch ihrer Meinung aufrecht. Aber allen Anschein nach eben nicht genug. Und Vagna und Glasir hatten ein Auge dafür, also sollte George den beiden vertrauen.

„Gut so“, sagte Glasir. „Jetzt näher dich ihm langsam. Keine zu ruckartigen Bewegungen.“

„Ich habe ihr alles schon erklärt, Glasir“, meinte Vagna und stieß ihn an.

„Wiederholung ist eine sehr gute Lernmethode“, argumentierte er. „Und sie muss sich das einprägen.“ Vagna seufzte, aber sie sah ein, Glasir hatte Recht.

George lief langsam auf den Tiger zu, nicht direkt, denn das wäre wieder eine Herausforderung zu einem Kampf gewesen, und kam ihm näher. Sie sah dem Tiger in die Augen, bewegte sich aber eher auf seine rechte Schulter zu. Das hatte Vagna ihr geraten. Damit würde sie keinesfalls gerade auf den Tiger zugehen, sondern automatisch eher diagonal.

Da Vagna und Glasir schwiegen, sah George es als richtig. Sie kam dem Tiger immer weiter. Plötzlich bleckte der die Zähne. George zuckte vor Schreck zusammen.

„Keine Angst!“, meinte Vagna sofort. „Entspanne dich!“

George nickte, damit die beiden sahen, dass sie es zur Kenntnis nahm. Ganz ruhig, ermahnte sie sich selbst, er tut mir nichts. Dann stand sie vor dem Tiger. Der musterte sie misstrauisch. George drückte den Rücken durch, um größer zu wirken und streckte langsam wieder die Hand aus. Der Tiger, nach kurzem Zögern, legte seine Schnauze in ihre Handfläche. Sie lächelte und kraulte sein Kinn, verlor aber nicht ihre Haltung.

Das mit Mephisto war kein Zufall gewesen, da war sie sich jetzt sicher. Sie hatte wirklich das Zeug zu einem Dompteur. Und sie würde es den Zwillingen beweisen!

© by George28

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Kommentare: 4
  • #1

    george kiirin (Montag, 20 Oktober 2014 10:20)

    Cool!!!

  • #2

    Valeria_Fan (Montag, 20 Oktober 2014 16:12)

    Dass ist fantastisch ich hab dein ganzes Fanfiktion gelesen dass ist einfach super!!=)
    Bitte mach noch mehr Kapitel
    =):**:**
    Gruß Valeria_Fan

  • #3

    George28 (Montag, 20 Oktober 2014 16:44)

    Danke euch beiden ^^ Vermutlich schreibe ich noch mehr Kapitel, hab mit dem nächsten schon angefangen. :)

  • #4

    Leonie (Montag, 20 Oktober 2014 21:05)

    Echt gut. Schön das du weiter schreibst.

Ich bin KEINER der Fünf Freunde Schauspieler, nur ein Fan!



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