Eine Überraschung! (Kapitel 1)

Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch das Fenster in ein Zimmer. Das Zimmer war unordentlich. Sehr unordentlich. Und man fragte sich, wann wurde dieser Raum wohl das letzte Mal aufgeräumt? Überall standen Regale, voll mit Miniaturschiffen, Büchern, Comics… Und die Wände zierten Poster und Fotos.
Auf den Postern waren bekannte Boxer und Judokas zu sehen, aber auch Eishockeyspieler. Auf den Fotos sah man immer drei Tiere. Ein Pferd, welches hellbraun und ein Haflinger war, und zwei Hunde. Der eine war ein Husky mit hübschen intelligenten blauen Augen, der andere hingegen war ein großer, schlanker, brauner Hund mit struppigem Fell.
Dann sehen wir uns doch mal weiter im Zimmer um. In der Mitte des Raumes hing ein großer roter Sandsack. Auf einem Stuhl daneben lagen zwei Boxhandschuhe. Der Bewohner schien wohl gerne seinen Frust an diesem Gerät auszulassen, denn man sah eindeutig, dass der Sandsack häufig benutzt wurde und vermutlich auch wird.
An der einen Wand stand ein Schreibtisch, auf dem ein Laptop postiert war. Eine Lampe stand dort auch und es gab einen Haufen voller Arbeitshefte und Bücher, vermutlich waren diese für die Schule. Außerdem stand dort ein Bild mit den drei Tieren, welche schon auf den Fotos zu sehen waren, und einem Mädchen. Das Mädchen aber sah gar nicht aus, wie ein Mädchen. Es hatte zwar braune, lockige Haare. Das Besondere aber war: Sie waren kurz, so wie die Frisur eines Jungen. Die Augen des Mädchens funkelten, so wie sie nur bei einem Kind glänzten, welches aufgeweckt, frech, schlau und ungehobelt war. Man konnte ihr ansehen, dass sie gerne anderen einen Streich spielte.
An der letzten Wand befand sich ein Bett. Es sah gemütlich aus. Aus der Bettdecke lugte ein brauner Haarschopf. Die Sonnenstrahlen fielen dem Kind direkt auf das Gesicht. Die Nase kitzelte und es nieste: „Hatschi!“ Das Kind murrte leise und zog sich die Bettdecke über den Kopf.
„Ich will noch“, das Kind gähnte, „schlafen…“
Am anderen Ende des Bettes lagen zwei schlafende Fellbündel. Als das Mädchen nieste, hatte das eine Fellbündel den Kopf schläfrig gehoben und das Mädchen mit schiefgelegtem Kopf und seinen wachsamen braunen Augen angesehen. Seine Ohren zuckten. Dann ließ es seinen Kopf wieder zurücksinken und berührte den Schwanz des anderen Fellbündels.
„Wau!“, machte das zweite Fellbündel verärgert und hob den Kopf.
Seine Ohren zuckten verwirrt und seine blauen Augen musterten den anderen, der neben ihm lag, verwirrt. Seine blauen Augen schienen zu sagen: ‚Warum hast du mich geweckt?‘
Das Mädchen brummte leise „Ruhe“ und blieb weiterhin liegen.
Das andere Fellbündel hob erneut den Kopf, sah den anderen an und gab ebenfalls ein „Wau!“ hören. ‚Na toll, jetzt kann ich auch nicht mehr schlafen!‘, schien er zu schimpfen. Das Fellbündel stand auf und streckte seine Glieder verschlafen. Sein Schwanz peitschte. Es gähnte und man erkannte spitzte Zähne. Es war ein Hund! Der zweite Hund stand ebenfalls auf und sprang vom Bett. Dabei trat er ausversehen auf die Füße des Mädchens.
Das Mädchen setzte sich langsam auf und gähnte.
„Was soll das?“, fragte sie die beiden Tiere. „Kann ich nicht einmal ausschlafen, Tim und Lucky?“
Tim, der braune Hund mit zottigen Fell und braunen Augen, bellte. Lucky, der Husky mit den blauen Augen, wackelte mit seinem Schwanz.
„Hach“, das Mädchen ließ sich wieder zurück ins Bett sinken. „Heute hab ich sogar gut geschlafen… Ich habe mal nicht von unseren Abenteuern mit den Geschwistern geträumt.“
Die Geschwister waren Julius, Richard und Anne. In den letzten Sommerferien waren die drei zu Besuch bei George, ja, so heißt das Mädchen, sie möchte eben ein Junge sein, und ihren Eltern, Quentin und Fanny Kirrin, gewesen. Der Anfang hatte etwas schwierig begonnen, aber nach einem holprigen Weg mit fielen Hindernissen hatten sich die vier befreundet. Die drei waren Georges erste richtige Freunde gewesen. Aber die Ferien dauerten eben nicht ewig an und so mussten sie sich wieder voneinander verabschieden. Seitdem träumte George öfters von ihren gemeinsamen Abenteuern, um den Morgen darauf mit einer Art ‚Heimweh‘ aufzuwachen. Sie vermisste die drei so sehr.
George stand auf. Sie rieb sich die Augen und gähnte. Tim und Lucky liefen im Raum umher.
„Ich mach mich eben fertig…“, murmelte George, immer noch betrunken vom Schlaf. Sie ging in das Badezimmer, welches sich gleich neben ihrem Zimmer befand, und putzte sich die Zähne. Sie nahm einen Kamm und ging zurück in ihr Zimmer. Vor ihrer Zimmertür blieb sie stehen.
An ihrer Tür befanden sich mehrere Schilder. Auf dem einen stand zum Beispiel: ‚Laborbereich! Zutritt nur für Mitarbeiter‘, auf einem anderen stand: ‚Betreten auf eigene Gefahr!‘ Dann prangte da noch ein gefährlich leuchtender, gelber ‚Danger‘-Aufkleber.
George grinste. Sie mochte diese Schilder und Aufkleber. Damit konnte sie schon gleich einen interessanten Eindruck machen. Und ja, sie war gefährlich und besonders frech.
In ihrem Zimmer zog sie sich an. Und zwar trug sie Jungs-Sachen: Eine kurze, zerrissene Hose und einen Jungen-Kapuzenpulli. Sie fuhr sich kurz mit dem Kamm durch ihre lockigen Haare. Es brachte zwar nichts, aber ihre Mutter, Fanny, verlangte es von ihr.
„Gebe dir doch wenigstens ein bisschen Mühe!“, hatte sie geschimpft. „Man soll doch nicht denken, dass du aus einem schlechten Haushalt kommst!“
Das Mädchen lächelte zufrieden. Sie steckte ein paar Leckerlis in ihre Hosentaschen und lief nach unten. Ihre beiden treuen Freunde folgten ihr. Als sie die Küche erreichte, sah sie ihre Mutter das Frühstück bereiten. Ihr Vater, Quentin, saß am Tisch und las die Zeitung.
„Guten Morgen“, meinte George fröhlich.
„Guten Morgen, mein Kind“, meinte Fanny.
„Morgen“, brummte Quentin. Er sah nicht mal von der Zeitung auf. Anscheinend war der Artikel, den er gerade las, sehr interessant. George lugte über seine Schulter und las neugierig die Überschrift: ‚Schlimme Verbrecher geflohen!‘
„Wer ist denn geflohen?“, fragte sie ihren Vater.
„Pokey und seine beiden Kumpanen…“, meinte ihr Vater.
„Was haben die schlimmes gemacht?“
„Das sind hinterhältige Halunken!“, schimpfte Quentin. „Sie haben wertvolle Manuskripte von einem Bekannten von mir gestohlen und versteckt! Die wären ein Weltphänomen gewesen! Es hätte alles verändert!“
George nickte. Sie verstand, dass ihr Vater sich darüber aufregte. Schließlich war er ja auch ein Wissenschaftler, ein exzellenter dazu. Oft wurden seine Erfindungen für viel Geld verkauft. Oder, und leider kam das auch vor, gestohlen. Und das jetzt sein Freund bestohlen wurde, passte Quentin natürlich gar nicht.
„Worum ging es in den Manuskripten?“, fragte das Mädchen daher.
„Ich weiß nicht alles, er hat mir nur ein paar Teile preisgegeben“, begann Quentin vorsichtig. „Es sollte erreichen, dass man ohne Strom fahren kann, nur mit der Energie von Pflanzen. Künstliche Photosynthese.“
George nickte. „Wow.“
Fanny deckte den Tisch. George ging ihr zur Hand. Seitdem die Geschwister ihrer Mutter immer geholfen hatten, tat sie es auch. Manchmal aber, wenn sie zum Beispiel zu müde war, half sie nicht. Aber da ließ Fanny George auch gar nicht erst in die Nähe von dem guten Geschirr. Das letzte Mal hatte George nämlich einen sehr teuren Teller fallen lassen. Es war zwar nicht mit Absicht, aber seitdem hütete sich Fanny davor, George um Hilfe zu bitten, wen sie sich noch im Halbschlaf befand.
Der Tisch war fertig gedeckt und George setzte. Fanny auch. Quentin las weiter die Zeitung.
„Quentin!“, meinte Fanny und lächelte. „Leg die Zeitung weg und esse etwas.“
„Was?“, fragte Quentin verwirrt und sah auf.
Fanny nahm ihm die Zeitung aus der Hand.
„Was soll das?“, beschwerte sich ihr Mann. „Da wird gerade über die Ermittlungen nach Pokey und-“
„Jaja, du kannst es nachher weiterlesen“, unterbrach Fanny ihn.
Quentin sah beleidigt drein, begann aber, zu Essen. George hatte schon ihre erste Brötchenhälfte aufgegessen. Jetzt beschmierte sie sich eine zweite mit Nutella. Fanny aß wie immer ihren Käse, den sie so sehr mochte und Quentin seinen italienischen Schinken, den aß George auch sehr gerne.
„George, wir haben eine Überraschung für dich“, sagte Fanny lächelnd. „Du wirst die nächsten zwei Wochen im Wanderzirkus Drygansil verbringen.“
George, die gerade an ihrem Orangensaft genippt hatte, verschluckte sich. Hustend sah sie ihre Eltern fassungslos an.
„Zirkus?“, fragte sie total perplex.
„Ja“, antwortete Quentin. „Hat sich deine Mutter ausgedacht.“
„Ich- ich darf wirklich…die zwei Herbstferienwochen in einem Zirkus verbringen?“
„Ja, mein Kind“, meinte Fanny und strahlte ihre Tochter an. „Mein Onkel ist der Leiter und er bietet gerne Kindern die Möglichkeit, in den Ferien seinen Zirkus zu begleiten. Am Ende sollt ihr sogar eine Vorstellung machen dürfen!“
„Da sind noch andere…Kinder?“, fragte George zögernd.
„Genau. Da kannst du wieder ganz tolle Freunde finden“, meinte Fanny begeistert.
George sah etwas gequält drein. Wieder andere Kinder? Wieder Freunde finden? Reichten denn nicht Julius, Richard und Anne? Aber, Zirkus. Das Angebot war wirklich verlockend. Sie sah zu Tim und Lucky.
„Und-“, begann sie, wurde aber von ihrer Mutter unterbrochen.
„Luy hat mir auch gesagt, dass du dein Pferd und die Hunde ruhig mitbringen darfst“, sagte diese. „Ich hatte ihm erzählt, was du Lucky alles beigebracht hast, das wollte er unbedingt live erleben.“
Jetzt lächelte George. Solange ihre Freunde mitdurften, war sie einverstanden.
„Gut. Wann geht es los?“, fragte sie nun sichtlich begeistert.
„Morgen soll sein Zirkus bei uns vorbeikommen. Du sollst nicht zu viel einpacken, ihr habt nur ein paar Wohnwagen. Du wirst die einen Wagen wohl mit zwei anderen Kindern teilen“, erklärte Fanny
„Solange Tim und Lucky genug Platz haben“, George grinste. „Ich geh dann packen.“
Und damit verschwand das Mädchen in ihrem Zimmer.
Ferien auf einem Zirkus, das klang wunderbar. Ein Zirkus war immer ein besonderes Abenteuer. George plagte zwar dieses Gefühl, dass es für sie nicht leicht werden würde, sich den anderen Kindern zu beweisen, aber Angst hatte sie nicht. Nein. Sie freute sich gespannt auf den nächsten Tag. Denn schließlich begleiteten sie Tim, Lucky und Sammy.

© by George28

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Kommentare: 6
  • #1

    Hannes (Montag, 07 Oktober 2013 16:42)

    Wow, echt toll geschrieben. Auch die Bilder zu den fanfiktions sind super!

  • #2

    George28 (Montag, 07 Oktober 2013 16:59)

    Danke :) Ich werde versuchen, noch mehr Kapitel zu schreiben ;) Und das Kapitel hab ich heute ganz sponat geschrieben ;)

  • #3

    George (Dienstag, 08 Oktober 2013 15:57)

    Die Geschichten werden ja immer besser!!!=):)=):)=):) Du bist "verrückt"-kannst du bitte meine Aufsätze schreiben?? :)
    Ich kann zwar auch Geschichten schreiben, aber längst nicht so gut wie DU!!!! =)

  • #4

    George28 (Dienstag, 08 Oktober 2013 16:32)

    Danke :) Ich schreibe eben gerne :)

  • #5

    edka (Mittwoch, 11 Juni 2014 16:22)

    ich fände besser wenn du die freunde Dick ; und Julian und Anne nehnen würdest

  • #6

    Privat (Freitag, 13 Februar 2015 18:56)

    Du kannst nicht nur sehr gut schauspielern sondern auch Geschichten schreiben.

Ich bin KEINER der Fünf Freunde Schauspieler, nur ein Fan!



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